{"id":4565,"date":"2024-12-06T11:23:48","date_gmt":"2024-12-06T10:23:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.goerlich.de\/news\/der-kardiogene-schock-erfordert-neue-ansaetze-es-ist-unser-ziel-das-leben-vieler-zu-retten\/"},"modified":"2025-02-14T09:58:14","modified_gmt":"2025-02-14T08:58:14","slug":"der-kardiogene-schock-erfordert-neue-ansaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.goerlich.de\/en\/news\/der-kardiogene-schock-erfordert-neue-ansaetze\/","title":{"rendered":"\u201eDer kardiogene Schock erfordert neue Ans\u00e4tze \u2013 es ist unser Ziel, das Leben vieler zu retten\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"vertical-align: inherit;\"><span style=\"vertical-align: inherit;\">Lange war es eher ruhig in der Herzforschung. Viele Entwicklungen der letzten Jahrzehnte richteten sich weniger auf die Heilung schwerwiegender Herzkrankheiten als auf die Optimierung bestehender Therapien. Dr. Andreas Bergmann und seine Partner vom deutschen BioTech-Unternehmen 4TEEN4 Pharmaceuticals m\u00f6chten das mit einem neuen Wirkstoff gegen kardiogene Schocks \u00e4ndern.<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong>INTELLIGENT INVESTORS:<\/strong> Herr Dr. Bergmann, was ist DPP3 und welchen Einfluss hat es auf unsere Herzgesundheit?<\/p>\n<p><strong>Dr. Andreas Bergmann:<\/strong> DPP3 ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr Dipeptidyl Peptidase 3, ein k\u00f6rpereigenes Enzym. Wir haben es in der Zusammenarbeit mit Universit\u00e4ten als Schockursache identifiziert, welche von absterbenden Zellen freigesetzt wird. Reichert es sich im Blut an, zerst\u00f6rt es das Hormonsystem, welches f\u00fcr die Kreislauffunktion vital ist und f\u00fchrt ultimativ zum Schock. Die Folge: Organe werden nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, Organversagen, Multiorganversagen und Tod drohen. Mithilfe des Gegenmittels Procizumab, welches wir entwickeln, wollen wir die negative Wirkung von DPP3 neutralisieren.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Sie sind kein Unbekannter in der medizinischen Forschung, mit Ihrer ersten Firma Brahms haben Sie schon einen Bluttest zur Fr\u00fcherkennung von Sepsis entwickelt. Wie kamen Sie auf den kardiogenen Schock als n\u00e4chste Aufgabe?<\/p>\n<p><strong>Bergmann:<\/strong> Man k\u00f6nnte sagen, dass die Fr\u00fcherkennungsforschung beim septischen Schock mich an diesen Punkt gebracht hat, da der Verlauf beider Krankheiten \u00e4hnlich ist. DPP3 spielt auch bei der Sepsis eine wichtige Rolle, weswegen wir hoffen, mit Procizumab den septischen Schock ebenfalls behandeln zu k\u00f6nnen. Au\u00dferdem geht es um eine gro\u00dfe Gruppe, die von diesen Krankheiten betroffen sind. Jedes Jahr erleiden \u00fcber 200.000 Menschen allein in den USA und Europa einen kardiogenen Schock, der bei mehr als der H\u00e4lfte t\u00f6dlich endet. In Deutschland sterben j\u00e4hrlich etwa 100.000 Menschen an einem septischen Schock. Die Behandlungsmethoden f\u00fchren selten zu einer Heilung und sind sehr invasiv. Der kardiogene Schock erfordert neue Ans\u00e4tze \u2013 es ist unser Ziel, das Leben vieler zu retten und daf\u00fcr neue Standards in der Intensivmedizin zu setzen.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Wie w\u00fcrde sich die Therapie mit dem neuen Wirkstoff von bisherigen Behandlungsans\u00e4tzen abheben?<\/p>\n<p><strong>Bergmann:<\/strong> Das Herz-Kreislauf-System ist h\u00f6chst komplex und der Respekt vor seiner Fragilit\u00e4t hat in der Vergangenheit zu wenigen revolution\u00e4ren Innovationen gef\u00fchrt. Besonders in der Fr\u00fcherkennung und der fr\u00fchzeitigen Behandlung gab es Durchbr\u00fcche, die Behandlungsm\u00f6glichkeiten wiederum blieben weitestgehend gleich. Man versucht die Herzfunktion mechanisch zu unterst\u00fctzen, sprich, man verwendet intraortale Pumpen oder Herz-Lungen-Maschinen, damit der Kreislauf aufrechterhalten bleibt. Die Sterberate verringert man dadurch aber nicht. Sollte Procizumab so wirksam sein, wie erhofft \u2013 und momentan sehen wir daf\u00fcr gute Hinweise \u2013 w\u00fcrde die Zufuhr des Wirkstoffs reichen, um den Kreislauf zu stabilisieren und die verheerende Wirkung von DPP3 im Blut auszusetzen.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Das klingt mehr als vielversprechend. Wie weit sind sie in der Entwicklung?<\/p>\n<p><strong>Bergmann:<\/strong> Wir haben unsere pr\u00e4klinischen Studien au\u00dferordentlich erfolgreich abgeschlossen, bei denen Procizumab erfolgreich zur Neutralisierung der DPP3 eingesetzt werden konnte. Dar\u00fcber hinaus konnten wir bei drei Patienten mit schwerstem kardiogenen Schock erfolgreich behandeln. K\u00fcrzlich haben wir unsere Phase 1a klinische Studie mit gesunden Menschen erfolgreich abgeschlossen und die Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit des Wirkstoffs nachgewiesen. Im kommenden Schritt werden wir eine Studie mit bis zu 500 Patienten, die an einem kardiogenen oder septischen Schock leiden, durchf\u00fchren, um die Wirksamkeit beim Patienten nachzuweisen. Zusammengefasst l\u00e4sst sich sagen, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. In diesem Kontext bin ich froh, dass wir mit der G\u00f6rlich-Familie einen starken Partner an unserer Seite haben, der die Realisierung unseres Vorhabens unterst\u00fctzt und vorantreibt.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Herr G\u00f6rlich, Sie haben Ihren Hintergrund eigentlich in der Immobilienwelt und haben dort im In- und Ausland investiert. Wie kam Ihr Familienunternehmen darauf, Herr Dr. Bergmanns Forschung finanziell zu unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p><strong>Hendrik G\u00f6rlich:<\/strong> Wir haben Herrn Dr. Bergmann und das Potenzial seines Wirkstoffs auf einer Fachkonferenz in Berlin kennengelernt, wo beide auf gro\u00dfe Begeisterung bei den anwesenden Kardiologen stie\u00dfen. Die positive Einsch\u00e4tzung international anerkannter Experten brachte uns dazu, dass wir uns mit 4TEEN4 Pharmaceuticals tiefergehend auseinandersetzten \u2013 und uns letzten Endes \u00fcberzeugten. Wir beteiligen uns direkt sowie \u00fcber einen eigens daf\u00fcr aufgelegten Fonds als Leadinvestor der aktuellen Finanzierungsrunde. Procizumab bietet unserer Meinung nach enormes Innovationspotenzial f\u00fcr die Herzmedizin und ist alleinstehend auf dem Markt.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Wie kann man sich diese Unterst\u00fctzung genau vorstellen?<\/p>\n<p><strong>G\u00f6rlich:<\/strong> Medizinische Forschung allgemein und Intensivmedizin im Besonderen werden von zahlreichen Herausforderungen und Entwicklungsrisiken begleitet. Hinzu kommt, dass 4TEEN4 auf einem medizinischen Gebiet Pionierarbeit leistet, auf dem bisher viele gescheitert sind. Daher braucht es Investoren, die erstens Vertrauen in das Management haben und zweitens Geduld mitbringen. Beides liefern wir. Wir sind \u00fcberzeugt von der Technologie, die 4TEEN4 nutzt und entwickelt und wollen das Unternehmen dabei unterst\u00fctzen, seine Mission voranzutreiben und Procizumab zur Marktreife zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Viele bahnbrechenden Entwicklungen haben ihren Ursprung in den USA. Wie stufen Sie den deutschen \u201ePioniergeist\u201c in diesem medizinischen Kontext ein?<\/p>\n<p><strong>Maximilian G\u00f6rlich:<\/strong> Deutschland verf\u00fcgt \u00fcber eine dynamische Biotech-Szene, die sich oft abseits der gro\u00dfen b\u00f6rsennotierten Unternehmen entwickelt. Diese St\u00e4rke liegt in der hochqualifizierten wissenschaftlichen Expertise und der F\u00e4higkeit, disruptive Technologien voranzutreiben. Allerdings fehlt es h\u00e4ufig an vergleichbaren Finanzierungsmodellen wie in den USA, wo Wagniskapital eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt. Projekte wie unser Spezial-AIF zeigen jedoch, dass auch hier innovative L\u00f6sungen m\u00f6glich sind, um bahnbrechende Entwicklungen wie die Neutralisierung von DPP3 gezielt zu finanzieren und zur Marktreife zu bringen. Deutschland hat das Potenzial, Pionierarbeit zu leisten \u2013 die Herausforderung liegt darin, diesen Pioniergeist mit langfristigen Finanzierungsstrategien zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Aktuell wird wieder vermehrt \u00fcber Insolvenzen geredet. Auch im Start-up-Bereich. M\u00fcssten die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr die F\u00f6rderung einfacher sein?<\/p>\n<p><strong>G\u00f6rlich:<\/strong> Die regulatorischen Anforderungen in Deutschland sind streng, was einerseits f\u00fcr hohe Sicherheitsstandards sorgt, andererseits jedoch die Innovationsgeschwindigkeit verlangsamen kann. F\u00fcr Start-ups, insbesondere im Biotech-Bereich, ist es essenziell, Zugang zu Kapital und F\u00f6rderprogrammen zu erhalten, die langfristige Entwicklungen erm\u00f6glichen. Ma\u00dfnahmen wie der Ausbau staatlicher F\u00f6rderungen und eine flexiblere Gestaltung regulatorischer Rahmenbedingungen k\u00f6nnten dazu beitragen, die Innovationskraft zu st\u00e4rken und Insolvenzen zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Wann d\u00fcrften Sie nach jetzigem Stand die klinischen Studien abgeschlossen haben?<\/p>\n<p><strong>Bergmann:<\/strong> Wir bereiten derzeit eine umfassende Zulassungsstudie vor, die bis zu 500 Patienten umfassen wird. Wie erw\u00e4hnt, soll diese Studie die Wirksamkeit unseres Antik\u00f6rpers Procizumab bei kardiogenem und septischem Schock nachweisen. Nach aktuellem Planungsstand streben wir an, die klinischen Studien bis Ende 2027 abzuschlie\u00dfen, um anschlie\u00dfend die Marktzulassung zu beantragen. Es ist ein intensiver Prozess, der jedoch entscheidend ist, um sicherzustellen, dass unsere Therapie h\u00f6chsten medizinischen und regulatorischen Standards standh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>II:<\/strong> Wie sieht es mit potenziellen Nachahmern bzw. Wettbewerbern aus?<\/p>\n<p><strong>Bergmann:<\/strong> Die Ergebnisse sind durch umfassende Patente bis mindestens 2042 gesch\u00fctzt. Dies betrifft sowohl den Wirkstoff Procizumab als auch die Diagnostik, die wir entwickelt haben. Derzeit gibt es weltweit keine vergleichbare Therapie, die gezielt die Aktivit\u00e4t des Enzyms DPP3 neutralisiert. Dies verschafft uns eine Alleinstellung auf dem Markt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/intelligent-investors.de\/der-kardiogene-schock-erfordert-neue-ansaetze-es-ist-unser-ziel-das-leben-vieler-zu-retten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Read the article on INTELLIGENT INVESTORS<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange war es eher ruhig in der Herzforschung. 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