{"id":4543,"date":"2024-12-04T11:46:04","date_gmt":"2024-12-04T10:46:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.goerlich.de\/news\/neue-therapie-nach-einem-herzinfarkt\/"},"modified":"2025-02-12T11:51:29","modified_gmt":"2025-02-12T10:51:29","slug":"neue-therapie-nach-einem-herzinfarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.goerlich.de\/en\/news\/neue-therapie-nach-einem-herzinfarkt\/","title":{"rendered":"Neue Therapie nach einem Herzinfarkt"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"vertical-align: inherit;\"><span style=\"vertical-align: inherit;\">Die Firma 4Teen4 entwickelt ein Mittel, das Patienten vor dem Tod durch Organversagen nach einem Herzinfarkt bewahren soll \u2013 ein Milliardenmarkt.<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p>Bei der Arbeit von Andreas Bergmann geht es um Leben und Tod. Um die Frage, wie man verhindern kann, dass Menschen an den Folgen eines Schocks versterben. Eines kardiogenen Schocks, der durch einen Herzinfarkt ausgel\u00f6st werden kann. Oder eines septischen Schocks \u2013 als Folge einer Blutvergiftung. Der Biochemiker hat ein bestimmtes Enzym im Blut als eine wesentliche Ursache f\u00fcr den Tod durch einen Schock identifiziert. Und er hat mit seiner Firma 4Teen4 Pharmaceuticals ein Medikament entwickelt, das dieses Enzym neutralisiert. In ein paar Jahren, so seine Vision, soll dieses Mittel auf Intensivstationen zum Therapiestandard geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eMich hat bei meiner Arbeit schon immer der Wunsch angetrieben, die Sterblichkeit von Menschen zu reduzieren. Ich m\u00f6chte etwas entwickeln, das einen echten klinischen Nutzen hat\u201c, sagt der 62-J\u00e4hrige \u00fcber sich. Jedes Jahr sterben in Deutschland 100.000 Menschen an den Folgen eines septischen Schocks. Und nach einem Herzinfarkt tritt bei etwa zehn Prozent der Patienten ein kardiogener Schock auf. Rund die H\u00e4lfte von ihnen stirbt dann an Organversagen, weil das Herz nicht mehr genug Kraft hat, die Organe ausreichend mit Blut zu versorgen.<\/p>\n<p>Das Thema Sepsis treibt Bergmann seit Jahr-zehnten um. In seiner ersten Labordiagnostik-Firma namens Brahms, die er 1994 gemeinsam mit vier Mitstreitern gr\u00fcndete, entwickelte er unter anderem einen Bluttest zur Fr\u00fcherkennung der Sepsis. Der Test wurde im Krankenhaus zum Standard. 15 Jahre sp\u00e4ter verkauften die Gr\u00fcnder Brahms f\u00fcr knapp 500 Millionen Dollar an den US-Konzern Thermo Fisher. Anschlie\u00dfend starteten sie die Firma Adrenomed, die ein Medikament gegen eine spezifische Form der Sepsis ent-wickelt. Bereits 2002 hatte Bergmann die Firma Sphingotec gegr\u00fcndet, die diagnostische Tests f\u00fcr die Intensivmedizin anbietet. Mittlerweile ist der geb\u00fcrtige Berliner an diesen Firmen nur noch beteiligt. Operativ t\u00e4tig ist er derzeit ausschlie\u00dflich bei 4Teen4 in Hennigsdorf bei Berlin.<\/p>\n<p>Der Name 4Teen4 geht auf das Enzym zu-r\u00fcck, das Bergmann als eine wesentliche Ursache f\u00fcr den septischen Schock identifiziert hat. Es hei\u00dft Dipeptidyl-Peptidase 3, kurz DPP3, und hat in dem in der Branche international verwendeten Enzymkatalog die Nummer EC 3.4.14.4. Die letzten drei Ziffern gaben den Namen f\u00fcr die neue Firma. Das Enzym entdeckte Bergmann, als er in Zusammenarbeit mit verschiedenen Universit\u00e4ten das Blut von Patienten mit septischem Schock analysierte. \u201eIch wollte die Zusammen-h\u00e4nge, warum ein Mensch an Sepsis stirbt, auf molekularer Ebene verstehen\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Bergmann fand heraus, dass das Enzym DPP3 von absterbenden Zellen freigesetzt wird. Tritt es dann ins Blut \u00fcber, zerst\u00f6rt es v\u00f6llig unkontrolliert das Hormonsystem, das f\u00fcr die Aufrechterhaltung des Kreislaufsystems verantwortlich ist. Die Folge: Kreislaufversagen, Mangeldurchblutung, Multiorganversagen und schlie\u00dflich der Tod. Das Forschungsteam hat Blutproben von mehr als 100.000 Menschen untersucht und he-rausgefunden, dass DPP3 auch beim kardiogenen Schock eine Rolle spielt. \u201eDie Regel lautet: Immer wenn man erh\u00f6htes DPP3 im Blut hat, hat man den Schock oder wird ihn erleiden und mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent daran versterben\u201c, sagt Bergmann.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler machten sich daran, ein Gegenmittel zu entwickeln, das den negativen Effekt von DPP3 neutralisiert. Der Antik\u00f6rper na-mens Procizumab wurde erfolgreich in Tierversuchen getestet. Und bei drei todgeweihten Menschen mit Schock konnte das Mittel \u2013 eingesetzt im medizinischen Heilversuch im Krankenhaus \u2013 das Leben zumindest etwas verl\u00e4ngern.<\/p>\n<p>Bisher wurde der Wirkstoff in einer ersten klinischen Studie an Freiwilligen mit Erfolg auf sei-ne Sicherheit und Vertr\u00e4glichkeit hin getestet. \u201eWir stehen jetzt an dem Punkt, dass wir das Medikament bis in den Markt entwickeln wollen\u201c, sagt Bergmann. Das Ziel ist, die Wirksamkeit von Procizumab bei 500 Patienten mit kardiogenem oder septischem Schock zu belegen.<\/p>\n<p>Um das zu finanzieren, ist das Team von 4Teen4 auf der Suche nach Investoren. Rund 50 Millionen Euro will das Unternehmen in einer neuen Finanzierungsrunde einsammeln. Bisher hat Bergmann 4Teen4 vor allem mit Unterst\u00fctzung von Einzelinvestoren aus dem privaten und beruflichen Umfeld finanziert. \u00dcber Finanzchef Kilian von Seldeneck kam beispielsweise die G\u00f6rlich-Gruppe ins Boot, deren urspr\u00fcngliches Gesch\u00e4ft Immobilienbeteiligungen im In- und Ausland sind. \u201eWir waren vergangenes Jahr in Berlin auf einer Fachkonferenz mit international anerkannten Kardiologen. Als wir gesehen haben, wie begeistert die von 4Teen4 waren, haben wir be-schlossen, mit unserer Familiengesellschaft in das Unternehmen zu investieren\u201c, sagt Maximilian G\u00f6rlich, einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der G\u00f6rlich-Gruppe.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die direkte Beteiligung ha-ben die G\u00f6rlichs dann einen Fonds aufgelegt, mit dem professionelle und verm\u00f6gende Investoren sowie Family-Offices angesprochen werden. \u201eMit diesem Fonds haben wir bereits zehn Millionen Euro in 4Teen4 investiert mit der Option, weitere Anteile zu zeichnen\u201c, erg\u00e4nzt Bruder Hendrik, ebenfalls Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gruppe, die die aktuelle Finanzierungsrunde als Leadinvestor anf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Nachweis, dass der Antik\u00f6rper wirkt, soll bis 2027 gelingen. \u201eWenn wir bewiesen haben, dass das Medikament die Sterblichkeit der Patienten mit Schock signifikant senken kann, dann wollen wir es schnellstm\u00f6glich gemeinsam mit Partnern in die Anwendung bringen\u201c, sagt Berg-mann. Biotech-Experte Peter Neubeck, Partner beim Wagniskapitalgeber Kurma Partners, der nicht bei 4Teen4 investiert ist, findet den wissenschaftlichen Ansatz von 4Teen4 \u201ezielgerichtet und sehr interessant\u201c. Das Therapeutikum habe das Potenzial f\u00fcr einen sehr gro\u00dfen Nutzen, meint er.<\/p>\n<p>Aber der Bereich Intensivmedizin sei schwierig, zum einen wegen der hohen Entwicklungsrisiken, zum anderen wegen des im Vergleich zu chronischen Erkrankungen limitierten Umsatzpotenzials. \u201eDas k\u00f6nnte eine H\u00fcrde sein, die gro\u00dfen Pharmaunternehmen von einer Partnerschaft zu \u00fcberzeugen\u201c, sagt er. Bergmann wiederum ist \u00fcberzeugt, dass ein Partner gefunden werden kann. \u201eWir haben eine Alleinstellung, und das Medikament hat ganz klar Blockbuster-Qualit\u00e4t\u201c, sagt er. Das Unternehmen sch\u00e4tzt das Marktpotenzial weltweit auf rund zw\u00f6lf Milliarden Dollar Jahresumsatz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/industrie\/biotechnologie-neue-therapie-bei-herzinfarkt-und-blutvergiftung\/100075029.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Read the article on Handelsblatt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Firma 4Teen4 entwickelt ein Mittel, das Patienten vor dem Tod durch Organversagen nach einem Herzinfarkt bewahren soll \u2013 ein Milliardenmarkt. 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